198 Tage weg – Meine ganz persönliche Erfahrung

 

Zwei Wochen bin ich jetzt schon wieder in Deutschland. Es ist schon fast, als wäre ich nie weg gewesen. Ich habe mich so langsam wieder eingelebt. Die ersten Nächte in meinem Bett, die ersten Male hier Auto fahren und das erste Handball Training habe ich schon erlebt. Und trotzdem ist es irgendwie anders. Es ist schön wieder zu Hause zu sein, aber keineswegs, wie es vorher war. Ich habe so viel gelernt, erlebt und all das hat auch meine Lebenseinstellung und meinen Charakter geprägt. Positiv, wie ich finde.

Aber fangen wir doch von Vorne an. Am 16. Juni sind David und ich in Frankfurt gelandet. Wir wurden natürlich schon von unseren Familien erwartet. Ob das große ‚Willkommen zurück-Plakat‘ hätte sein müssen, darüber kann man streiten. Trotzdem ist es ein wunderschönes Gefühl angekommen zu sein. In der Heimat, in dem Land, in dem alle deine Sprache sprechen. Nach mehr als einem halben Jahr wieder Eltern und Großeltern umarmen. Wirklich seltsam, aber schön! Dann ging es erstmal nach Hause und davor einen Döner holen. Was hab ich es vermisst! Bis zwei Uhr nachts waren wir noch wach, weil ich den ganzen Abend ununterbrochen am Erzählen war. An den Schlaf-Rhytmus konnte ich mich erst nach ein paar Tagen gewöhnen. Die nächsten Tage waren geprägt von Bier, deutschem Essen und ganz vielen Bildern, die ich natürlich jedem präsentieren musste.

Letztes Wochenende habe ich Altensteig dann wieder verlassen. Dieses Mal aber nur für drei Tage. Für mich ging es zusammen mit 15 tollen Leuten an die Nordsee. Es stand ein kleines Meet Up in Bremerhaven an, aus dem ich knappe 2000 Bilder mit nach Hause gebracht habe. Aber dazu im nächsten Post mehr. Jetzt steht wieder der normale Alltag an: Fotoshootings, Bilder bearbeiten, Handballtraining, Freunde treffen usw.

Doch was bleibt nun von dieser so besonderen Reise? Jetzt, wo ich wieder hier bin? Ich hatte leider noch nicht so viel Zeit, alles in Ruhe Revue passieren zu lassen, weil ein Termin den anderen jagt. Aber jedes Mal, wenn ich mein Fotobuch in der Hand halte, muss ich lächeln. Denn es sind doch die Momente, die Erinnerungen und die Erfahrungen, die uns keiner mehr nehmen kann. Ich habe all diese, für uns so selbstverständlichen Dinge, zu schätzen gelernt. Warmes Wasser, Strom, eine Dusche, eine Toilette (die nicht nur ein Loch ist) und mein Bett. Denn all diese Dinge hatten wir nur sehr begrenzt im letzten halben Jahr. Es öffnet einem etwas die Augen. Und es stimmt mich nachdenklich. Wir sollten einfach dankbarer sein. Denn wie viele der Leute in Asien, die wir gesehen haben, werden all das niemals besitzen? Ich will hier nicht den Moralapostel spielen, aber ein Stück weit hat mich das ganze verändert. Ich bin einfach überglücklich, diese Herausforderung gemeistert zu haben. Und ein kleines bisschen stolz bin ich ja auch. Dass alles so ohne große Probleme funktioniert hat und wir alle kleinen Problemchen selber lösen konnten. Darauf, dass wir über 55.000km gereist sind in einem reichlichen halben Jahr. Mehr als 10.000 km mit dem eigenen Auto durch Australien. Mit sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln durch Asien. Und wir ganze elf Mal geflogen sind. Das klingt alles so surreal, wenn man darüber nachdenkt.

Doch jetzt heißt es erstmal sich für’s Studium bewerben und die alltäglichen Aufgaben meistern. Wohin es mich als nächstes verschlägt? Das kann ich noch nicht genau sagen. Vielleicht Südamerika oder die Mongolei? Oder doch nach Grönland? Keine Ahnung. Genau so wenig weiß ich, wann die nächste große Reise stattfinden wird. Aber ich bin noch jung. Ich habe noch so viel Zeit die Welt zu entdecken, dass ich mir wirklich keinen Stress machen muss.

Das wird vorerst der letzte Post über meine Reise sein. Sollte ich irgendwann noch etwas los werden wollen, lasse ich es euch wissen. Aber verabschieden möchte ich mich mit einem meiner absoluten Lieblingszitate zum Thema Reisen. Vielleicht lässt es ja den ein oder anderen von euch nachdenklich werden: ‚Travelling is more than the seeing of sights; it is a change that goes on, deep and permanent, in the ideas of living.‘ – Miriam Beard

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