Emotionen – Wenn ein Shooting unter die Haut geht..

 

Am vergangenen Wochenende habe ich zum ersten Mal das #nochsoeinmeetup organisiert. Ich weiß, ein ziemlich bescheuerter Name für ein Meet Up, aber irgendwie passt er doch zu mir. 15 Leute, die entweder einen Tick für die Fotografie haben oder verdammt gut vor der Kamera aussehen. Und irgendwie alle ein kleines bisschen verrückt. So wie ich eben. Aber darum soll es in diesem Artikel gar nicht gehen. Vielmehr möchte ich euch eine Bildserie vorstellen. Und ich möchte euch an einer ganz besonderen Erfahrung teilhaben lassen.

Unter den 15 verrückten Leuten war auch Judy, die extra aus Chemnitz angereist war. Allein davor schon mal großen Respekt. So eine lange Anreise dafür, dass ich ihr das ganze Wochenende auf die Nerven gehen kann. Wir hatten schon seit längerer Zeit eine besondere Shootingidee. Und zwar emotionale Portraits zu erstellen, auf denen sie weint. Klar, damit haben wir das Rad nicht neu erfunden und solche Bilder gab es schon vor uns. Trotzdem wollten wir beide unbedingt diese Erfahrung machen. Weil es anders ist, als die ganzen anderen Bilder. Ich tue mich oft schwer damit, ob meine Bilder denn wirklich etwas aussagen. Können sie Emotionen transportieren? Oder sind es einfach Fotos von hübschen Frauen? Ich glaube dieses Problem kennt jeder, der in diesem Bereich unterwegs ist.

Jedenfalls suchten wir uns am Samstag eine ruhige Ecke zum Fotografieren. In einer alten Villa mit Gewölbekeller nicht ganz so schwierig. Und da gingen wir auch hin. Nur wir beide. Keine Musik, keine anderen Leute. Aber wie fängst du jetzt an? Wie bekommst du einen Menschen bewusst dazu zu weinen? Wie schaffst du es ‚echte‘ Tränen hervorzurufen? Wir haben angefangen über sehr private Dinge zu sprechen, die man den wenigsten Leuten anvertraut. Und ich habe gemerkt, wie schwer ihr das gerade am Anfang gefallen ist. Wir kannten uns zwar schon vor dem Meet Up, aber ich war keineswegs eine der Personen, der sie normalerweise ihre Sorgen und Probleme anvertraut. Trotzdem hat Judy mit mir über all das gesprochen. Sie hat mir Sachen erzählt, die auch mich sehr traurig gestimmt und nachdenklich gemacht haben. Der schwierigste Teil war es, sie nicht trösten zu können. Denn in den Momenten, in denen sie angefangen hat zu weinen, musste ich abdrücken. Und anstatt sie zu trösten, musste ich weiter nachhaken. Eine sehr schwierige Situation. Wir haben es aber geschafft, die Momente einzufangen und die Situation zu meistern.

Nur was nimmt man denn mit aus so einem Shooting? Die Bilder sind das eine. Aber viel wichtiger ist mir die Erfahrung, die wir gemacht haben. Dass wir uns auf neues Terrain gewagt haben und nicht immer nur das gleiche machen. Klar hatte ich vorher etwas Schiss, dass ich das nicht hinbekomme. Von dem nicht vorhandenen Plan, wie ich das Gespräch beginnen und wie ich sie trösten solle, bis hin zu dem Gedanken, dass ich hinter der Kamera zu heulen anfangen und dann zu blöd zum Bilder machen wäre, war alles dabei. Aber ich bin überglücklich mit dem Ergebnis und der Erfahrung und kann nur den Hut vor Judy ziehen, die das unglaublich toll gemacht hat.

Model: Judy – Instagram | Judy – Facebook

 

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